1970er Jahre

Anfang der 70er Jahre wurde die M15 entwickelt, in der Logik-Bausteine in integrierter Technik die Steuerung übernahmen. Aber schon bald sollte sich zeigen, dass die Steuerung im Vergleich zur inzwischen großen Konkurrenz der Studer A80 nicht befriedigen konnte: Es wurde eine weiterentwickelte Version, die M15A, in den Markt eingeführt.

Bei der M15 wurde der Antrieb der Tonwelle geändert: als Tonmotor wurde ein kollektorloser, elektronisch regelbarer Gleichstrommotor verwendet. Das Prinzip des indirekten Antriebs der Tonwelle wurde beibehalten, allerdings statt des Reibrad-Getriebes ein Gummi-Riemen verwendet. Dies bot viele Vorteile:

  • Mit dieser Anordnung konnte der Tonmotor weit an die Seite des Chassis rücken, die Köpfe mussten nicht so aufwendig geschirmt werden wie bei einem direkten Antrieb.
  • An der Tonwelle traten keine thermischen Veränderungen durch Erwärmung des Motors auf.
  • Der Antrieb mit dem Gummi-Riemen wirkte wie ein mechanischer Tiefpaß-Filter.
  • Durch Verwendung des Gleichstrommotor konnte die Tonwellendrehzahl als Regelgröße für die Tonmotorsteuerung verwendet werden.
    Die Verstärker wurden beibehalten, aber im Gegensatz zur M10a, bei der sie sich in der Truhe unter dem Laufwerk befanden, waren die Verstärker bei der M15 in einem Verstärkermagazin im Gerät selber untergebracht.

Hervorzuheben ist außerdem die leichte Umstellung der Geräte von deutscher Schichtlage zur internationalen: man brauchte dazu nur einen Kopfträger für die internationale Schichtlage (oder man baute den vorhanden um: alle notwendigen Bohrungen waren vorhanden, man musste nur die Köpfe und Bandführungselemente spiegelbildlich vertauschen), und ein geändertes Abdeckblech. die Gummiandruckrolle ließ sich umhängen, der Motor lief nach Änderung der Anschlüsse in die Gegenrichtung.

Großrechner von AEG-Telefunken

Telefunken Großrechner TR4

Telefunken Großrechner TR4. (Foto: Grkauls / Wikipedia.de)

1972 entschied die AEG-Telefunken, das Großrechnergeschäft mit der Nixdorf Computer AG weiter zu betreiben. Die Magnetband-Digital-Speicher wurden in die neue Gesellschaft Telefunken Computer GmbH eingebracht.

Nach dem Auszug der Magentband-Digital-Speicher entstand im Bereich der Studiomagnetophone ein neues MMBasisgerät: das M15A-Mehrspur.

 

 

TELEFUNKEN M15 Mehrspurmaschinen

Die Mehrspurmaschinen gab es in folgenden Varianten:

  • M15A-8 (8 Spuren auf 1″ Tonband)
  • M15A-16 (16 Spuren auf 2″ Tonband)
  • M15A-24 (24 Spuren auf 2″ Tonband)
  • M15A-32 (32 Spuren auf 2″ Tonband)

Die Mehrspurvariante wurde genau wie das 2-Spur-Gerät sehr oft bei den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunksendern in den Hörspielstudios eingesetzt. Bekannt ist auch, dass unter anderem der deutsche Produzent Frank Farian mit einer dieser Maschinen den fetten Disco-Sound von Boney M, Eruption und Milli Vanilli erzeugt hat. Als Mastermaschine verwendete er allerdings eine STUDER A80.

Die M15A erhielt neben einer verbesserten Laufwerkselektronik, die insbesondere eine besseres Nachsteuerung des Tonwellenantriebs möglich machte (was die Voraussetzung für die Synchronisierung von Maschinen ist), neue, rauscharme Verstärker mit funktionsabhängiger Steuerung, die ein knackfreies Einsetzen von Aufnahmen oder Zuschalten von Spuren möglich machten.

Der mechanische Aufbau blieb im Vergleich zur M15 im wesentlichen unverändert. Äußerlich kann man M15 und  1/4„ M15 A nur an drei Dingen auseinander halten:

  • Die mechanische Zählwerksanzeige wurde durch eine elektronische ersetzt.
  • Die Laufwerksteurungstasten wurden geringfügig geändert.
  • Der Cue-Hebel hatte eine andere Form.

Die M15A und die M15A-Mehrspur wurden zu den erfolgreichsten Magnetophonen überhaupt.

Parallel zu den „großen“ Studio-Magnetophonen wurden in Konstanz die semiprofessionellen Geräte entwickelt und gebaut: M23, M24, M28. Diese Geräte waren eher für kleinere Studios, als Zuspielgeräte in Theatern, oder auch für Tonband-Enthusiasten gedacht. Diese Produktlinie wurde 1973 eingestellt.

Telefunken Tonköpfe

Neben den bereits bekannten Vacodur-Köpfen wurde die M15 mit neu entwickelten Ferrit-Köpfen angeboten. Das Ferrit, das man nach über 100 Versuchsproben erhalten hatte, erreichte 99,8% der theoretisch erreichbaren Dichte, eine Permeabilität von 2300 und eine Abriebfestigkeit, die erheblich über der des Vacodur lag.

Dieses Ferrit wurde in Glas eingebettet, so dass eine sehr stabile Verbindung der Teile erreicht wurde und eine geschlossene keramische Oberfläche entstand (Mancher mag sich jetzt an die Werbung einer Firma aus Fernost aus der Mitte der 1970er Jahre erinnern, in der solche Glas-Ferrit-Köpfe als das Non-Plus-Ultra beworben wurden).

Das Abrieb-Problem bei diesen Köpfen ist nicht der Materialabtrag, sondern die Aufrauung der Oberfläche. Dieser Effekt war aber bei diesen Köpfen nicht wesentlich (trotzdem scheinen sich diese Köpfe nicht durchgesetzt zu haben: Die Maschinen, die ich kenne, sind häufiger mit Vacodur-Köpfen ausgerüstet. Teilweise waren Maschinen von Ferrit-Köpfen auf Vacodur-Köpfe umgebaut worden. Ich habe zwei Antworten bekommen, warum Profis offenbar Vacodur-Köpfe bevorzugt hätten: teilweise wurde behauptet, Ferrit-Köpfe würden stärker rauschen, teilweise wurde gesagt, dass das Übersprechen zwischen den Kanälen bzw. Spuren das Problem sei).

Kommentare sind geschlossen.