Die 30er Jahre

Trotz der starken Konkurrenz der damals schon qualitativ hochwertigen Aufzeichnung auf Schallplatten, verfolgte Fritz Pfleumer seine Gedanken weiter. Anfang der 30er Jahre durfte er seine Erfindung dann der AEG vorstellen.


Fritz PfleumerFritz Pfleumer begann 1897  ein Ingenieurstudium in Dresden und arbeitete danach als Berater bei der Dresdener Zigarettenmaschinenfabrik "Universelle". Im Jahr 1927 begann er für das Unternehmen einen haltbaren Überzug aus Bronzelack für Zigarettenmundstücke zu entwickeln. Aus den Erfahrungen mit dem Bronzelack, entwickelte er 1927 einen Papierstreifen auf dem gehärteter Stahlstaub mit Lack fixiert wurde und damit einen magnetisierbaren Tonträger - das Tonband. Dieses Magnetband war den bisher verwendeten Stahlbändern weit überlegen. Am 31. Januar 1928 ließ er das Verfahren zur Herstellung von "Lautschriftträgern" unter der Nummer DRP 544302 mit der Bezeichnung "Verfahren zur Herstellung von Stahlpulver" patentieren. Ebenfalls 1928 stellte er einen Prototyp eines Magnetbandgeräts her, mit dem er in der Lage war die Bänder anzuspielen. Die Bänder waren 16 mm breit und zweispurig, die Bandgeschwindigkeit war 25 cm/s, so dass rund 900 m Magnetband in einer Stunde abliefen.

Am 1. Dezember 1932 überließ Pfleumer der AEG die Nutzungsrechte an seinem Magnetband. Dort entwickelte Eduard Schüller (1904-1976) ein erstes fertigungsreifes Magnetbandgerät. Das Gerät wurde im August 1935 unter dem Namen "Magnetophon K 1" zusammen mit dem Magnetband "Typ C" bei der IG Farben auf der Funkausstellung in Berlin vorgestellt.


Eines Tages saß Fritz Pfleumer nach eigenen Aussagen bei einem Kaffe auf dem Boulevard in Paris und grübelte über weitere Verwendungen seines neuen Metallfilmes nach den er entwickelt hatte. Waren  es die alten Erinnerungen an Physikbücher oder ein Aufsatz über das damals von Kurt Stiller propagierte Stahlband-Tonaufnahmegerät die ihm in den Sinn kamen? Niemand weiß das natürlich heute genau. Auf alle Fälle kam ihm aber hier die Idee, anstelle des Stahlbandes ein dünnes Papierband mit entsprechendem Stahlpulverbelag zu verwenden. Pfleumer verfolgte diesen Gedanken mit zäher Energie. Obgleich sich die Entwicklung der Schallplatte und des Tonfilms damals im steilen Aufstieg befand...
Er lies aber nicht locker, denn ein solches Band versprach eine lange Spieldauer und war billiger herzustellen.

So kam es im Jahre 1932 zum Abschluss eines Vertrages zwischen Pfleumer und der AEG. Die Hoffnung in kurzer Zeit ein verkaufsfähiges Gerät mit den Papierbandmagnetbändern von Pfleumer zu produzieren, erwies sich vorerst als falsch.
Die damals schlechte Wirtschaftslage erlaubte einfach nicht den Einsatz größerer Geldmengen für die Entwicklung.

Aber da war noch der damalige Vorstandsvorsitzende der AEG, Geheimrat Bücher. Dieser war von der Magnetbandidee so begeistert, dass er das ganze Ansehen seiner Person zum Einsatz brachte, um dieses Projekt nicht zum Stillstand kommen zu lassen.
Seiner Unterstützung ist es zu verdanken, das auch in späteren schwierigen Zeiten, die Entwicklung niemals abgebrochen wurde.
Eduard SchüllerDurch seine gute Bekanntschaft zum Geheimrat Bosch, dem damaligen Vorstandsvorsitzenden der IG Farben, konnte er die Badische Anilin und Soda Fabrik (BASF) dazu bewegen, Versuche zur Herstellung magnetischer Filmbänder zu anzustellen. Gleichzeitig beauftragte die AEG den jungen Diplom Ingenieur Eduard Schüller mit der Entwicklung eines entsprechende Aufnahme- und Abspielgerätes. Eduard Schüller kam gerade von der Hochschule und war am Heinrich Hertz Institut beschäftigt.


Originaltöne

In den hier angebotenen Originaltönen ist Eduard Schüller in einer alten Aufnahme aus einem Radiointerview zu hören.


Er wurde deshalb ausgewählt, weil der Titel seiner Diplomarbeit  lautete: "Untersuchungen von Stahlbändern für magnetische Tonaufzeichnung". Bei den Stahldraht-Geräten wurde dieser Stahldraht zwischen zwei scharf zugespitzten Polen eines Elektromagneten hindurch gezogen. Mit den mit Eisenpulver beschichteten Papierbändern ging das schlecht: die wurden beschädigt, oder rissen auseinander.

Die wesentliche Erfindung, die dieses Problem behob, war die Erfindung des Ringkopfes (vgl. Originalton) von Eduard Schüller. An diesem Ringkopf wurde das Tonband vorbeigezogen, und damit die mechanische Beanspruchung des Tonbandes minimiert. Außerdem hatte der Ringkopf weitere Vorteile: Bei der Anordnung miteinander gegenüberliegenden spitzen Polen lassen sich magnetische Streufelder nicht vermeiden. Sie" verschmieren" die Aufzeichnung. Beim Ringkopf  wird dieses Streufeld genutzt: mit diesem Streufeld wird das Signal aufgezeichnet oder wieder abgelesen. Dieses Prinzip gilt bis heute bei der magnetischen Aufzeichnung eines Signals.

Das erste "Magnetophon" 1935Damit konnte dann das erste Magnetophon gebaut werden, das die AEG 1935 auf der Berliner Funkausstellung vorstellte.